Anleitung zum Verfassen eines Exposés I

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„Bevor ich Ihnen das Thema freigebe, schreiben Sie mir mal bitte ein Exposé!“. So oder so ähnlich lautet oftmals die Aufforderung des Professors oder der Dozentin an den Studierenden. Viele Studierende haben jedoch oftmals nur ein grobe Vorstellung von den damit verbundenen Anforderungen, was mitunter zu langwierigen „Verhandlungen“ mit dem Betreuenden im Rahmen von Ablehnungen und Neueinreichungen von Themen- und Exposéentwürfen führt.

Grund hierfür ist, dass seitens der Studierenden meist unterschätzt wird, dass ein Exposé, wie jedes andere wissenschaftliche Schreibvorhaben auch, spezifischen inhaltlichen und formalen Anforderungen genügen muss, um akzeptiert zu werden. Deshalb möchten wir eine kurze Anleitung geben

Überlegungen zur Erstellung eines Exposés

Ziel und Zweck eines Exposés 

Ein Exposé hat grundsätzlich die Aufgabe, ein gemeinsames Verständnis hinsichtlich Zielstellung, Methodik und Aufbau des Themas und der Arbeit herzustellen. Dies ist nicht nur zwischen Dozenten und Studierenden wichtig, sondern auch zwischen uns und unseren Kunden, weshalb wir im Rahmen unserer Projekte bereits eine Vielzahl von Exposés verfasst haben. Vor diesem Erfahrungshintergrund haben wir eine Anleitung erstellt, die wir, in evtl. leicht abgewandelter Form, als allgemeingültige Handlungsanleitung für ein gelungenes Exposé betrachten.

Warum beginnen wir die allermeisten unserer Projekte mit einem Exposé? Dies dient in einer typischen Auftragssituation nicht nur dazu, eine systematische Arbeitsplanung und Strukturierung der wissenschaftlichen Ausarbeitung vorzunehmen, sondern auch um sicherzustellen, dass der Autor seinen berühmten „roten Faden“ nicht aus den Augen verliert (der „rote Faden“ beinhaltet den inhaltlichen Rahmen und die zentrale Zielstellung der Arbeit).

In der Praxis wird zwar seitens unserer Kunden nicht immer ein Exposé ausdrücklich verlangt. Meist jedoch erstellen wir dies dennoch, insbesondere bei größeren Arbeiten, nämlich aus genau den besagten Gründen – zur Erarbeitung des „roten Fadens“ und eines gemeinsamen und widerspruchsfreien Verständnisses der Zielstellung der Arbeit.

Umfang 

Der Umfang und die Tiefe des Exposés bemessen sich vor allem daran, ob beispielsweise eine Hausarbeit, eine Masterarbeit, eine Dissertation oder ein Forschungsantrag geschrieben wird. In allen Fällen geht es zwar darum, den Adressaten für die Arbeit zu gewinnen und dabei bereits die Aspekte zu beschreiben, die entscheidend sind für den Erfolg der Arbeit. Außerdem stellt ein Exposé normalerweise den Abschluss der Orientierungs- und Planungsphase eines Schreibprojekts dar, d.h. es wurde bereits die relevante Literatur gesichtet und vorläufig ausgewertet. Die Anforderungen an die gedankliche Tiefe und Komplexität unterscheiden sich jedoch je nach Projekt, da es zum einen einen Unterschied macht, ob 15 oder 150 Seiten geschrieben werden sollen und zum anderen, welches wissenschaftliche Erkenntnisinteresse befriedigt werden soll.

Aufbau eines Exposés 

Zu einem typischen Exposé zählen die Darstellung der Problemstellung, des Erkenntnisinteresses, die daraus abgeleiteten Fragestellungen sowie das Ziel der Arbeit, eventuell formulierte Hypothesen, der zu Grunde liegende Theoriebezug, der Forschungsstand, die Methodik sowie der Aufbau der Arbeit. Darauf wird im 2. Teil des Blogbeitrags noch näher eingegangen.

Der idealtypische Aufbau und Umfang kann variieren. So ist das Exposé für eine Haus- oder Seminararbeit meist nicht länger als 1,5 Seiten und enthält:

  • den Arbeitstitel der Ausarbeitung
  • Hintergrund und daraus resultierende Fragestellung der Arbeit
  • Aufbau / Struktur der Arbeit
  • die vorläufige Gliederung
  • vorläufiges Literaturverzeichnis

Deutlich ausführlicher und detaillierter sind Exposés von Abschlussarbeiten oder gar Dissertationen. Ein Exposé für eine Abschlussarbeit umfasst 2-3 bzw. bis hin zu 15 Seiten für eine Dissertation und beinhaltet

  • die Problemstellung des Vorhabens,
  • die Aufbereitung des aktuellen Forschungsstandes zum Thema,
  • die zentrale Fragestellung der Arbeit,
  • das Erkenntnisinteresse des Verfassers,
  • das Ziel bzw. die der Arbeit zugrundeliegende Hypothese,
  • die Theorie(n), auf die in der Arbeit Bezug genommen wird,
  • die Methode(n), nach der/denen vorgegangen werden soll,
  • die Quellen, die verwendet werden sollen,
  • die vorläufige Gliederung und eine Zeit- und Meilensteinplanung bis zur Abgabe

Diese Punkte spiegeln sich nicht zwangsläufig in eigenen Gliederungspunkten innerhalb des Exposés wider, sollten aber Berücksichtigung finden.

Ein Exposé für einen Forschungs- oder Stipendienantrag enthält darüber hinaus auch die benötigten Sach-, Reise- und Personalkosten. Ein Exposé für ein solches Vorhaben sollte zudem explizit auf die jeweiligen Förderkriterien und Vorgaben eingehen.