Qualität vor Quantität – werden studentische Praktika überschätzt?

Praktika sind oftmals seitens der akademischen Praktikanden mit der Hoffnung verbunden, dadurch einen „Fuß in die Tür“ zum Arbeitsmarkt zu setzen. Erfahrungen in einem Unternehmen oder einer Institution zu sammeln und sich gleichsam für eine spätere Festanstellung zu empfehlen ist die explizite Zielsetzung. Anders ausgedrückt: die Praktikanden wollen Qualitätssignale aussenden im Konkurrenzkampf um begehrte Festanstellungen. Für die Unternehmen wiederum sind Praktika eine willkommene Möglichkeit, potentielle Arbeitnehmer zu testen, wenngleich diese Möglichkeit durch die Einführung des Mindestlohns, der auch für einen Großteil der Praktikanten gilt, nun teurer geworden ist.

Studie zur Untersuchung der Effekte von Praktika

Ob Praktika tatsächlich die in sie gesetzten Hoffnungen seitens der Studierenden erfüllen können, hat kürzlich eine Studie untersucht. Im Rahmen der Studie wurde eine große Anzahl von Studierenden befragt (ca. 90 000, Quellenangabe am Ende des Beitrags).

Dabei wurden im Wesentlichen zwei Hypothesen aufgestellt. Die erste Hypothese lautet, dass die Anzahl der Praktika (Internships), die ein Student absolviert, per se noch kein glaubwürdiges Qualitätssignal hinsichtlich der Beschäftigungsfähigkeit gegenüber potentiellen Arbeitgebern vermittelt – zumindest nicht, wenn es um „Standard-Praktika“ geht, an die verhältnismäßig leicht zu kommen ist. Die zweite Hypothese bezieht sich darauf, dass ein sogenanntes Top-Praktikum in einem renommierten Unternehmen (meist wird hier auf DAX-30-Unternehmen Bezug genommen), an das allerdings auch schwerer zu kommen ist, als ein deutlich glaubwürdigeres Signal auf dem Arbeitsmarkt wahrgenommen wird (allerdings können nur 27% der Praktikanden aufgrund ihrer Qualifikationen ein solches Praktikum antreten bzw. werden dazu überhaupt ausgewählt). Das sind an sich zwar keine wirklich überraschenden Thesen, dennoch sind die Ergebnisse der Studie teilweise ernüchternd. Die dritte These lautet, dass Praktikanden diesen Glaubwürdigkeits- oder Signalling-Effekt unterschätzen.

Die erste Hypothese wurde dahingehend beantwortet, dass die bloße Anzahl an absolvierten Standard-Praktika weder die Aussicht auf die begehrten Jobs noch das Level des Einstiegsgehalt erhöht. Im Gegenteil, eine große Anzahl von Standard-Praktika kann sogar einen negativen Lohn-Effekt hervorrufen. Offenbar sind Top-Arbeitgeber der Ansicht, dass viele wahllose Praktika eben doch kein Qualitätssignal darstellen.

Hingegen haben absolvierte Top-Praktika durchaus einen positiven Effekt auf Jobbesetzung und Einstiegsgehalt, was die zweite Hypothese beantwortet. Interessanterweise ist dieser Effekt bei Frauen ausgeprägter als bei Männern.

Die Untersuchung der dritten Hypothese untermauert die Vermutung, dass seitens der Studierenden der „Signal-Effekt“ von Top-Praktika unterschätzt wird. Als Erklärung hierfür vermutet die Studie, dass offenbar ein Prozess der Selbstselektion stattfindet, d.h. die Studierenden wissen zwar um ihre für ein Top-Praktikum möglicherweise nicht ausreichenden Qualifikationen und wählen deshalb Standard-Praktika. Sie unterschätzen dennoch die Signalkraft eines Top-Praktikums und überschätzen diejenige eines Standard-Praktikums, von denen möglichst viele aneinandergereiht werden.

Was sind nun die Schlussfolgerungen aus dieser Studie? Das Anstreben möglichst guter Studienleistungen, um an die begehrten Top-Praktika zu kommen (und hiervon lieber eines weniger machen), ist eine davon. Eine zweite Schlussfolgerung lautet: Wenn es um die Erzielung von hervorragenden Studienleistungen geht, die wiederum Eintrittskarte für Top-Praktika sein können, sollte man gegebenenfalls die Inanspruchnahme externer Hilfe nicht scheuen. Wir unterstützen Sie gerne.

Quellenangabe:

Frick, B. / Maihaus, M. (2016), The (ir-)relevance of internships – Signaling, screening, and selection
in the labor market for university graduates, in: DBW 76 / 5, S. 377-388.