Bewertungskriterien bei Abschlussarbeiten

Sie ist die Arbeit von vielen Wochen – die Abschlussarbeit in Form der Bachelor- oder Masterarbeit. Selten werden eine Bachelorarbeit oder Masterthesis in einem „Rutsch“ durchgeschrieben, sondern sind das Ergebnis intensiver Recherchen und Schreibarbeit. Dabei müssen oftmals auch Motivationstäler und Frust überwunden werden, wenn man sich mal in eine Sackgasse geschrieben hat oder die Auswertung der statistischen Daten einfach nicht zu den aufgestellten Hypothesen passen will.

Umso wichtiger ist es, von vorneherein die Kriterien zu kennen, die zu einer guten Bewertung und Benotung der wissenschaftlichen Arbeit führen. Eine Bachelorthesis oder Masterthesis ist schließlich nicht nur als „wissenschaftlicher Beitrag“ gedacht, sondern stellt eine eigene Prüfungsleistung dar: „Sie ist einerseits noch wichtiger Bestandteil des Lernens, andererseits aber auch ein zu benotendes Ergebnis des Lernens.“ (Lorenzen, 2002, S. 1)

Natürlich unterscheiden sich diese Kriterien von Lehrstuhl zu Lehrstuhl bzw. Universität zu Universität wie z.B. folgende Abbildung zeigt.

Bewertung von Abschlussarbeit an verschiedenen Universitäten

Quelle: http://wissenschafts-thurm.de/bewertungskriterien/

Dennoch finden bestimmte allgemeingültige Bewertungsmaßstäbe in allen Fachgebieten Anwendung. Im Zweifelsfall sollte beim Tutor oder Dozenten nachgefragt werden, ob diese auch schriftlich existieren und einsehbar sind, damit die notwendige Transparenz schon während der Bearbeitungsphase gegeben ist.

Diese allgemeingültigen Bewertungskriterien lassen sich nach inhaltlichen und formalen Kriterien einteilen, die im Folgenden näher betrachtet werden sollen:

Wird die Themenstellung verstanden und stringent bearbeitet?

In inhaltlicher Hinsicht geht es zunächst darum, mit der Abschlussarbeit deutlich zu machen, dass eine konkrete Themenstellung klar und stringent bearbeitet wurde und dabei den aktuellen Stand der Forschung berücksichtigt. Eine konkrete und begründete Eingrenzung des Themas ist hierfür Voraussetzung. Das willkürliche Weglassen von bestimmten Teilaspekten oder eine unvollständige Argumentation gelten als schwere wissenschaftliche Mängel (vgl. Lorenzen, 2002, S. 3). Das alleinige deskriptive Beschreiben von recherchierten Quellen ist dabei nicht ausreichend. Vielmehr muss eine Kontextualisierung und Einordnung der ausgewerteten Quellen erfolgen, um die eigene wissenschaftliche Arbeit entsprechend einzuordnen.

Welche Eigenleistung wird erbracht und wie ordnet sich diese in den Stand der Forschung ein?

Eine Eigenleistung wird insbesondere auf Masterlevel erwartet, jedenfalls eher als bei Bachelorarbeiten, die meist lediglich die Methodenkompetenz abdecken sollen. In jedem Fall muss eine Eigenleistung des Studierenden klar erkennbar sein, die sich vor allem dadurch kennzeichnet, dass die aufgestellte Forschungsfrage beantwortet wird und die gewonnenen Erkenntnisse in einem Zusammenhang mit dem Stand der Forschung gesetzt werden. In dieser Hinsicht sollten auch die Resultate der eigenen Arbeit kritisch bewertet bzw. ein Ausblick auf den weiteren Forschungsbedarf gegeben werden.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt und sind diese für die Fragestellung der Arbeit geeignet?

Ein wichtiges Bewertungskriterium bei jeder Abschlussarbeit ist das Verhältnis von Ausführung und Schwierigkeitsgrad. Dabei geht es nicht immer darum, z.B. die komplexeste Methode einer Datenauswertung anzuwenden, sondern die Methodik an das Thema anzupassen. Hierbei können verschiedene Methoden auch diskutiert und miteinander verglichen werden, um schließlich eine begründete Entscheidung für eine bestimmte Methode zu treffen.  Es gilt die Faustregel: je einfacher das Thema, desto eher wird erwartet, dass die Methode beherrscht wird. Je komplexer das Thema, desto eher können leichte methodologische Schwächen verziehen werden.

Welche sprachliche Kompetenz und welcher Stil kommen in der Arbeit zum Ausdruck?

Dieses Bewertungskriterium lässt sich eher dem formalen Aspekt zuordnen, betrifft aber natürlich auch inhaltliche Aspekte. Ein guter Inhalt wird durch eine mangelnde sprachliche Kompetenz „entwertet“. Ein häufiges Manko hierbei ist eine zu diffuse und ein zu umgangssprachlicher Stil und Ausdruck, der in wissenschaftlichen Texten naturgemäß ungern gesehen wird bzw. auch zu deutlichen Abzügen in der Beurteilung führt. Deshalb wird ein Prüfer darauf achten, inwieferndie Gedankenführung sprachlich und logisch nachvollziehbar ist, ob die (wissenschaftliche) Terminologie korrekt verwendet wird und ob die Verständlichkeit des Textes durch sinnvolle Beispiele und anschauliche Grafiken, Tabellen etc. unterstützt wird. Ebenso müssen Satzbau, Rechtschreibung und Zeichensetzung passen. Selbstverständlich sollte auch eine strikte Einhaltung der vorgegebenen Formalia wie Zitierweisen, Schriftgröße, Seitenränder, Absätze etc. beachtet werden.

Bei der Beurteilung der ihm vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit wird der Prüfer letztlich eine Gesamtbewertung vornehmen, in der die genannten aber auch noch weitere Kriterien einfließen, z.B. ob der Studierende sein Thema selbst ausgewählt hat oder wie hoch der Betreuungsaufwand während der Bearbeitung der Abschlussarbeit war.

Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Ihre Bachelorarbeit oder Masterthesis die jeweiligen Kriterien erfüllt, sprechen Sie uns gerne an. Wir prüfen diese und geben ein entsprechendes Gutachten ab.

Quellen:

Lorenz, K.F. (2002),  Wissenschaftliche Anforderungen an Diplomarbeiten und Kriterien ihrer Beurteilung, HAW Hamburg

Manschwetus, U. (2014), Bewertungskriterien für Abschlussarbeiten, http://wissenschafts-thurm.de/bewertungskriterien/