Was kennzeichnet eine (sehr) gute Doktorarbeit in der BWL?
Für eine Dissertation in BWL (Betriebswirtschaftslehre) gelten im Grunde genommen die selben allgemeinen Kriterien, die für jede (sehr) gute Dissertation gelten. Sie werden jedoch fachspezifisch anders gewichtet, insbesondere in Bezug auf den Theorie-Praxis-Bezug, die Methodik und den Beitrag zur Management- und Wirtschaftsforschung.
1. Klarer Beitrag zur betriebswirtschaftlichen Forschung
Eine sehr gute Dissertation im Fachbereich BWL
adressiert ein klar umrissenes betriebswirtschaftliches Problem
(z. B. Strategie, Organisation, Controlling, Marketing, Finance, IS, HR)schließt eine relevante Forschungslücke
liefert generalisierbare Erkenntnisse (nicht nur einen Einzelfallbericht)
positioniert sich sauber im internationalen Forschungsdiskurs
Rein deskriptive Unternehmensanalysen reichen dabei nicht aus. Hingegen kann eine fundierte theoriebasierte Erklärung betrieblicher Phänomene eine Bewertung mit „sehr gut“ befördern.
2. Theoretische Fundierung (sehr wichtig in BWL)
Eine fundierte theoriebasierte Erklärung betrieblicher Phänomene ist eine wichtige Voraussetzung für eine Bewertung mit „sehr gut“. Dazu zählt
ein souveräner Umgang mit zentralen Theorien
(z. B. Agency Theory, RBV, Transaction Cost Economics, Institutional Theory, Behavioral Economics)theoriegeleitete Formulierung der Forschungsfragen
eigene theoretische Weiterentwicklung oder neue Verknüpfung bestehender Ansätze
Sehr gute Dissertationen in der Betriebswirtschaft greifen die Theorie nicht nur auf, sondern entwickeln sie weiter.
3. Methodische Exzellenz (entscheidend für magna / summa)
Die passende Methodik hängt vom Thema ab. Nicht jedes Thema eignet sich für eine empirische Dissertation. Wenn aber eine empirische Methodik gewählt wird, kann diese nach einem quantitativen oder qualitativen Forschungsdesign unterschieden werden.
Quantitativ
sauberes Forschungsdesign (z. B. Paneldaten, Experimente, Surveys)
korrekte Modellwahl, Robustness Checks
statistische Auswertung mit geeigneten Verfahren
kritische Reflexion von Bias, Endogenität, Limitationen
transparente Datendokumentation
Qualitativ
klar begründete Methodik (z. B. Case Studies, Experteninterviews)
nachvollziehbare Kodierung
systematische Auswertung (z.B. Mayring, Grounded Theory)
Gerade in Dissertationen wird oftmals auch ein Mixed-Method-Ansatz, also eine Kombination sowohl von quantitativen als auch qualitativen Verfahren, eingesetzt. Das hängt aber sehr stark von den Präferenzen von Lehrstuhlinhabern ab. Manche bevorzugen z.B. Dissertationen, die nur quantitativ oder nur qualitativ arbeiten.
4. Praxisrelevanz
Gerade in BWL-Dissertationen wird häufig ein besonderes Maß an Praxisrelevanz verlangt, insbesondere im Rahmen von DBA-Doktorarbeiten.
Eine sehr gute BWL-Dissertation legt besondere Schwerpunkte auf
Implikationen für Management, Organisationen oder Märkte
klare Ableitung von Handlungsempfehlungen
Trennung zwischen wissenschaftlicher Analyse und normativen Aussagen
Dabei ist zu beachten, dass Praxisrelevanz nicht theoretische Tiefe ersetzt, sondern diese vielmehr ergänzt.
Bewertungsprädikate speziell für BWL
cum laude (gut)
saubere empirische Arbeit
klare Forschungsfrage
solide Theorieanbindung
begrenzter, aber klarer Beitrag
methodisch korrekt, aber konventionell
Dies bedeutet eine gute Dissertation auf sicherem Standardniveau
magna cum laude (sehr gut)
klarer origineller Beitrag zu einem BWL-Teilgebiet
starke Theorie-Empirie-Verknüpfung
methodisch anspruchsvoll und reflektiert
Ergebnisse publikationsfähig
internationale Literatur umfassend integriert
Dies bedeutet eine gute Dissertation, die eine überdurchschnittliche Forschungsleistung mit erkennbarem Profil aufweist.
summa cum laude (mit Auszeichnung)
neuer, substantieller Beitrag zur BWL-Forschung
theoretische Weiterentwicklung eines etablierten Ansatzes
exzellente Methodik (oft mehrere Studien / Datensätze)
hohe internationale Sichtbarkeit
meist Publikationen in Top-Journals (z. B. AMJ, SMJ, JOM, JBR, MISQ, je nach Fach)
Dies impliziert eine Promotionsarbeit auf internationalem Top-Niveau.
Was erwarten BWL-Gutachter?
Die Erwartungen, die typischerweise an eine Promotion in BWL gestellt werden, sind:
die Arbeit könnte (in Teilen) in A-Journals erscheinen
die erzielten Ergebnisse sind anschlussfähig für eine weitere Forschung
es ist eine erhebliche empirische Evidenz erarbeitet worden
methodische Entscheidungen werden begründet und verteidigt, nicht nur beschrieben
Viele der genannten Kriterien gelten zwar grundsätzlich, sind hier aber speziell für die BWL formuliert.
Wir haben in den vergangenen Jahren sehr viele Dissertationen im Fachbereich BWL begleitet. Wir kennen die spezifischen Anforderungen und unterstützen auch Sie gerne im Rahmen Ihrer Promotion.