Transkription von qualitativen Experteninterviews in Abschlussarbeiten

Häufig wird in Abschlussarbeiten oder Dissertationen eine qualitative Empirie gewählt. Dazu zählen insbesondere Experteninterviews, die zur Exploration bestimmter (Forschungs)Fragestellungen durchgeführt werden. 

Dabei stellt die Transkription von Experteninterviews einen zentralen Zwischenschritt zwischen Datenerhebung und Datenanalyse dar. Sie dient dazu, gesprochene Sprache in schriftliche Form zu überführen, um die Auswertung der Interviews systematisch, transparent und reproduzierbar zu gestalten und darzustellen.

Hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten und auch unterschiedliche Transkriptionsregeln. Beginnen wir mit den grundsätzlichen Möglichkeiten der Transkription.

Grundsätzliche Möglichkeiten der Transkription

A) Manuelle Transkription

Eine manuelle Transkription wird von einer Person, eben manuell, durchgeführt. In einer akademischen Abschlussarbeit ist dies meist der Studierende. Der Vorteil liegt darin, dass damit eine hohe Genauigkeit und Erfassung des Kontextes möglich ist. Der Nachteil ist, dass sie sehr zeitaufwändig ist.

B) Automatisierte Transkription

Bei einer automatisierten Transkription wird das aufgezeichnete Interview durch Algorithmen automatisch in Text umgewandelt. In der Regel erfolgt dies mittels spezialisierter Dienstleister wie z.B. Amberscript. Der Vorteil besteht darin, dass dies sehr schnell geht und verhältnismäßig günstig ist, insbesondere für große Datenmengen. Nachteilig ist, dass gerade bei Dialekten, Nebengeräuschen, unvollendeten Sätzen, mehreren Sprecher*innen etc. eine Nachbearbeitung nötig ist.

C) Hybride Transkription

Hier erstellt eine Software bzw. KI aus der Audiodatei ein Rohtranskript. Anschließend muss manuell nachgearbeitet werden. Vorteil ist, dass eine gute Mischung aus Preis, Geschwindigkeit und Qualität erreicht wird, aber auch der Aufwand für die Korrektur bestehen bleibt.

Egal welche Form der Transkription gewählt wird, sie muss bestimmten vorab festgelegten Regeln folgen.

Unterschiedliche Transkriptionsverfahren 

Je nach Forschungsziel, Fachgebiet oder methodischem Ansatz in der qualitativen Forschung können verschiedene Transkriptionsregeln unterschieden werden.

Nach welchen Regeln die Transkription durchgeführt wird, ist abhängig von der Sinnebene. Das heisst, wer die erste Sinnebene von Wissen, Themen und Inhalten adressiert, kann mit einfachen Transkriptionsregeln arbeiten. Die erste Sinnebene bezieht sich auf Wissen, das sich in leicht zugänglichen Fakten, Daten und Regeln ausdrückt und dass durch die Gesprächsführung in den Interviews expliziert werden soll. Die erste Sinnebene wird, je nach konkretem Thema, in den meisten Abschlussarbeiten oder Dissertationen adressiert.

Wenn dagegen auf die zweite Sinnebene von implizitem Wissen oder habituellen Mustern abgezielt wird, muss mit erweiterten Transkriptionsregeln gearbeitet werden.

Wissenschaftliche Transkriptionssysteme

Wenn es um die erste Sinnebene geht, kommen im Deutschen meist die Transkriptionsregeln von Dresing und Pehl zur Anwendung, die klare Regeln für Verständlichkeit und wissenschaftliche Nachvollziehbarkeit aufstellt und auf die weiter unten näher eingegangen werden soll.

Andere Transkriptionsregeln, die auch genutzt werden können, sind:

  • GAT (Gesprächsanalytisches Transkriptionssystem): Sehr detailreich – Pausenlängen, Intonation, Lautstärke, Überlappungen.
  • Transkriptionsregeln nach Jefferson: international verbreitet in der Konversationsanalyse; extrem feingranular.
  • HIAT (Halbinterpretative Arbeitstranskription): dies bezeichnet ein System zur Verschriftlichung gesprochener Sprache (Transkriptionssystem), das vor allem im Rahmen der funktional-pragmatischen Diskursanalyse eingesetzt wird. 

Die Entscheidung für ein Transkriptionsverfahren hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Forschungsziel (z. B. inhaltliche vs. sprachliche Analyse)
  • Benötigte Detailtiefe
  • Ressourcen & Zeitbudget
  • Qualität des Audiomaterials
  • Anzahl und Art der Sprecher*innen

Für die meisten wissenschaftlichen Projekt- und Abschlussarbeiten empfiehlt sich eine vereinfachte oder wörtliche Transkription nach Dresing & Pehl, da sie eine Balance aus Wissenschaftlichkeit und Aufwand bietet.

Kernprinzipien der Dresing&Pehl-Transkription

Die Transkriptionsmethode nach Dresing und Pehl gehört zu den am weitesten verbreiteten Standards in der qualitativen Sozialforschung. Sie bietet ein praxisnahes, übersichtliches Regelwerk, das eine einheitliche, nachvollziehbare und zugleich ökonomische Verschriftlichung von Interviews ermöglicht. Im Fokus steht nicht die linguistische Detailanalyse, sondern die inhaltliche Qualität der Daten.

Die Methode zielt darauf ab, gesprochene Sprache sinngemäß und forschungsnah zu verschriftlichen, ohne unnötige Feinheiten zu dokumentieren. Sie eignet sich besonders für z.B. Bachelorarbeiten, Masterarbeiten oder Dissertationen, die eine qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring oder Kuckartz durchführen möchten. Grundlegend hierfür sind vor allem:

  1. Sinn- und inhaltsorientierte Verschriftlichung
  • Aussagen werden wortgetreu, aber nicht übermäßig detailliert übertragen
  • Fokus auf dem Inhalt, nicht auf stimmliche oder sprechtechnische Merkmale
  • Nonverbale Äußerungen werden nur transkribiert, wenn sie für das Verständnis relevant sind (z. B. Lachen, längere Pausen)
  1. Vereinfachte Schreibweise
  • Dialekte, Sprachfehler oder grammatikalische Unregelmäßigkeiten werden standardisiert, sofern dies den Sinn nicht verändert
  • Wortverschleifungen (z. B. „’n“, „ham“) werden in Standardsprache übertragen („ein“, „haben“)
  1. Reduktion von Störsignalen
  • Nicht relevante Füllwörter wie „äh“, „hm“, „sozusagen“ werden entfernt, sofern sie keine Bedeutung tragen
  • Satzabbrüche können geglättet werden
  1. Strukturierung durch Sprecherkennzeichnung
  • Sprecherinnen werden klar und konsistent markiert (z. B. „I:“ für Interviewerin, „B:“ für Befragte*n)
  • Wechsel werden eindeutig gekennzeichnet
  1. Markierung unverständlicher Passagen
  • Unverständliches wird in Klammern vermerkt, z. B. „(unverständlich, 3 Sek.)“
  • Unsicherheiten werden durch Fragezeichen markiert
  1. Einsatz von Zeitmarken (optional)
  • Zeitmarken werden an relevantem Stellen gesetzt, um einen späteren Audioabgleich zu erleichtern
  • Besonders hilfreich bei langen Interviews oder für Teamtranskriptionen

Wann eignet sich das Transkriptionsverfahren von Dresing&Pehl?

Dresing & Pehl bieten eine pragmatische, effiziente Methode, die sich besonders eignet für:

  • Qualitative Inhaltsanalyse
  • Grounded Theory (vereinfachte Variante)
  • sozialwissenschaftliche Abschlussarbeiten
  • Praxisforschung (z. B. UX, Organisationsforschung)

Dies betrifft die meisten wissenschaftlichen Arbeiten in Fachbereichen wie BWL, Wirtschaftspsychologie oder sonstige Sozialwissenschaften.

Die Methode ist jedoch weniger geeignet, wenn:

  • sprechwissenschaftliche Analysen,
  • feine Gesprächsdynamiken,
  • exakte Pausenmessungen,
  • Interaktionsstrukturen

untersucht werden sollen (dafür wären GAT oder Jefferson passender). Dies kann beispielsweise Arbeiten in den Fachbereichen Soziologie oder Sprachwissenschaften betreffen.

Letztlich ist eine Transkription immer von den konkreten und sich gegebenenfalls verändernden Analyse- und Darstellungsinteressen des Forschenden abhängig. 

Um die Reliabilität und Nachvollziehbarkeit der Transkription in einer Abschlussarbeit sicherzustellen, sollten in jedem Fall folgende Maßnahmen berücksichtigt werden:

  • Verwendung eines einheitlichen Transkriptionsleitfadens
  • Markierung unverständlicher Passagen
  • Sprecherkennzeichnung
  • Klare Dokumentation von Transkriptionsregeln
  • Konsistenzprüfung nach Fertigstellung (ggf. durch Zweitperson)

Welche Anbieter & Tools können für eine Transkription hilfreich sein?

Gerade im berufsbegleitendem Studium steht oft wenig Zeit zur Verfügung, um neben der Durchführung der qualitativen Forschung auch noch selbst die Experteninterviews zu transkribieren. Um sich die Transkription zu erleichtern, stehen daher verschiedene Tools und Anbieter zur Verfügung, die hier in einem kurzen Überblick dargestellt werden sollen.

Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass die meisten Anbieter mittlerweile mit KI (halb- oder vollautomatisiert) arbeiten. Oftmals ist dann aber meist noch eine manuelle Nachbearbeitung notwendig.

Otter.ai (gute Sprechertrennung, Export in Word/Text, Notizfunktionen)

Amberscript (automatisch oder manuell buchbar, europäischer Anbieter, DSGVO-konform, sehr verbreitet)

f4x / f4transkript (deutsche Software, beliebt in der qualitativen Forschung; unterstützt KI-und Eigen-Transkription)

Microsoft Word / Teams / Google Meet integriert (direktes Transkribieren aus Aufnahmen oder Meetings (geeignet für einfache Interviews).

Hilfe bei Transkription und Auswertung

Sie schreiben Ihre Bachelorarbeit, Masterarbeit oder Dissertation und wenden dabei eine qualitative Empirie an? Sollten Sie Unterstützung bei der Transkription, Auswertung und Ergebnisdarstellung Ihrer Experteninterviews benötigen, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Wir beraten Sie dazu gerne – kostenfrei und unverbindlich.

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