Verwendung von Primär- und Sekundärliteratur in der Abschlussarbeit

Eine der zentralen Voraussetzungen für sauberes wissenschaftliches Arbeiten und für die Abfassung wissenschaftlicher Texte ist der richtige Umgang mit der herangezogenen Literatur. Grundlegend dafür ist das korrekte Verständnis der unterschiedlichen Arten und ihrer Verwendung.

In diesem Artikel soll es vor allem um Primär- und Sekundärliteratur gehen, weil sie für die Mehrzahl der Studierenden die wichtigsten Literaturarten darstellen. Andere Formen wie Tertiärliteratur (Lexika, Überblicksdarstellungen), Graue Literatur (in der Regel unveröffentlichte Schriften) oder Populärwissenschaftliche Literatur (z.B. Sachbücher) spielen dagegen in der Regel keine größere Rolle und sind in ihrer Verwendung zudem besonderen Regeln unterworfen.

Primär- und Sekundärliteratur

Die Unterscheidung zwischen Primär- und Sekundärliteratur stammt aus der Literatur- und Sprachwissenschaft, aber auch aus anderen Geistes- und Sozialwissenschaften. Entscheidend für die Zuordnung ist dabei die Frage, was das jeweilige Werk behandelt und auf welcher Ebene es sich mit einem Thema befasst.

Als Faustregel kann man zunächst festhalten, dass mit Primärliteratur das zu untersuchende Werk, also die direkte Grundlage der Forschung, und mit Sekundärliteratur die wissenschaftliche Beschäftigung damit bezeichnet wird.

Klassische Beispiele für Primärliteratur sind etwa Originalquellen oder unmittelbare Zeugnisse, die eigene Forschungsergebnisse, Daten oder kreative Werke umfassen, die zur Zeit des untersuchten Ereignisses oder vom ursprünglichen Autor erstellt wurden. Dazu zählen Literarische Werke (Romane, Gedichte, Dramen), Historische Dokumente (Briefe, Reden, Gesetze), Interviews, Tagebücher, Umfrageergebnisse, Philosophische Texte, theoretische Grundlagentexte oder wissenschaftliche Studien bzw. Originalforschungen.

Die Sekundärliteratur umfasst demgegenüber die Forschung über die Primärliteratur, d.h. deren Analyse, Interpretation oder Kommentierung. Sie entsteht zeitlich stets nach der primären Quelle und dient dazu, diese besser einordnen, verstehen und bewerten zu können. Typische Beispiele dafür sind Monografien oder Fachaufsätze, Lehrbücher und Kommentare, Interpretationen literarischer Werke und vielfach auch Biografien.

Zur Verdeutlichung: Bei Goethes Faust handelt es sich um Primärliteratur, wohingegen die Analyse eines Literaturwissenschaftlers zum Thema „Fausts Streben nach Wissen“ Sekundärliteratur darstellt.

Unterschiedliche Verwendung von Primär- und Sekundärliteratur in Hausarbeiten und in Abschlussarbeiten

Grundsätzlich sollte sich wissenschaftliche Arbeit von Beginn an möglichst weitgehend auf Primärliteratur stützen. Doch sind dem im Rahmen des Studiums oft Grenzen gesetzt wege des damit verbundenen hohen Aufwandes Grenzen gesetzt, so dass sich die Verwendung von Primärliteratur in Hausarbeiten von der in Abschlussarbeiten in Bezug auf Ziel, Tiefe und Gewichtung deutlich unterscheidet.

Für beide Formen der Arbeit gilt: Die Primärliteratur stellt den Untersuchungsgegenstand dar, der von der Sekundärliteratur erforscht, eingeordnet und ggf. in einen theoretischen Rahmen eingeordnet wird. Dass korrekt zitiert wird, versteht sich dabei ebenso von selbst wie der Anspruch, möglichst eine eigene Argumentation in Bezug auf das Thema zu entwickeln.

Der eigentliche Unterschied im Herangehen an die Literaturarten liegt also nicht im „Ob“, sondern im „wie viel“ und „wie selbstständig“.

Hausarbeiten dienen insbesondere dazu, die Fähigkeit zum wissenschaftlichen Arbeiten nachzuweisen. Primärliteratur wird in diesem Rahmen eher begrenzt und allenfalls exemplarisch verwendet, nicht zuletzt, weil die Fragestellung zumeist vorgegeben oder stark eingegrenzt ist. Sekundärliteratur dient bei diesen Arbeiten dazu, in das Thema einzuführen, die eigene Argumentation abzusichern und einen Überblick über den Forschungsstand zu geben. Im Vordergrund steht der Nachweis, dass die relevante Forschung verstanden und korrekt verarbeitet wurde.

Eine Abschlussarbeit wie z.B. eine Bachelorthesis oder Masterarbeit soll dagegen zeigen, dass der Studierende die Forschungslage in seinem Themengebiet kennt und in der Lage ist, in diesem Rahmen selbstständig etwas beizutragen. Demzufolge umfasst die Arbeit eine intensivere, systematischere Analyse der Thematik auf der Grundlage einer eigenen Fragestellung und Methode. Die Arbeit ist vollständiger, aktueller, stützt sich auf eine größere Materialbasis und nutzt dazu soweit wie möglich die Primärliteratur. Die Sekundärliteratur wird kritischer verwendet und darüber hinaus nicht nur passiv rezipiert und wiedergegeben, sondern kritisch reflektiert. Hierbei werden Positionen verglichen, Debatten eingeordnet und eine bewusste Abgrenzung zur eigenen Argumentation vorgenommen.

Diesem Anspruch folgend wäre es ein großer Fehler, eine Abschlussarbeit wie eine lange Hausarbeit zu schreiben, die Sekundärliteratur nur zu referieren statt sie zu diskutieren und der eigenständigen Analyse der Primärliteratur keinen hinreichenden Raum zu geben. Wer die Sekundärliteratur gezielt einsetzt und die vorhandene Forschung nicht nur als Beleg heranzieht, sondern bewertet und den eigenen Forschungsbeitrag deutlich benennt, hat einen wichtigen Beweis seiner Befähigung zum wissenschaftlichen Arbeiten erbracht.

Nachfolgend der Vergleich auf einen Blick:

Aspekt

  Hausarbeit

   Abschlussarbeit

Ziel

  Übung wissenschaftlichen Arbeitens

   Eigenständige Forschung

Primärliteratur

  begrenzt, exemplarisch

   umfangreich, zentral

Sekundärliteratur

  unterstützend

   kritisch, systematisch

Eigenständigkeit

  moderat

   hoch

Forschungsstand

  selektiv

   möglichst vollständig

Verwendung und Zitierung von Sekundärliteratur in Abschlussarbeiten 

Bei der Heranziehung von Sekundärliteratur in Abschlussarbeiten (z. B. Bachelor-, Master- oder Diplomarbeiten) ist besondere Sorgfalt und Transparenz wichtig.

Zunächst sei noch einmal betont, dass die Primärliteratur immer bevorzugt werden sollte und durch Sekundärliteratur nicht ersetzt werden kann. Zentrale Aussagen, Theorien oder Daten sind daher möglichst aus der Originalquelle(Primärquelle) zu zitieren. Nur Sekundärliteratur zu zitieren, obwohl die Primärquelle zugänglich ist, wird oft kritisch bewertet, da sie vorrangig zur Einordnung, Interpretation und Diskussion dienen soll. Zu häufige Sekundärzitate gelten zudem als wissenschaftlich unsauber. Sie sollten deshalb nur dann verwendet werden, wenn die Primärquelle nicht verfügbar ist (z. B. vergriffen, fremdsprachlich, Archivmaterial).

Wird eine Aussage nicht aus der Originalquelle, sondern aus einer Sekundärquelle übernommen, muss dies deutlich gemacht werden wie z.B.: Müller (1905), zitiert nach Schmidt (2020), S. 45. Dabei sollten der vorgegebene Zitierstil (z. B. APA, Harvard, Chicago etc.) strikt eingehalten und natürlich die verwendeten Sekundärquellen sowohl im Text eindeutig angegeben als auch im Literaturverzeichnis vollständig aufgeführt werden. Seitenzahlen sind auch bei Sekundärzitaten Pflicht.

Für die allgemeine Verwendung der Sekundärliteratur ist von zentraler Bedeutung, sie nicht unkritisch zu übernehmen, sondern unterschiedliche Positionen miteinander zu vergleichen, kritisch zu diskutieren und ggf. gegeneinander abzuwiegen, also den Forschungsstand zu reflektieren.

Bei der Darstellung ist auf eine klare Unterscheidung zwischen der Wiedergabe fremder Argumentationen und der eigenen Analyse und Bewertung zu achten. Auch Paraphrasen fremder Argumentationen müssen korrekt mit Quellenangabe belegt werden, da sie ansonsten als Plagiat gewertet werden können.

Für der Auswahl der Sekundärliteratur spielen insbesondere deren Qualität und Aktualität eine große Rolle. Es sollten deshalb vorzugsweise wissenschaftlich anerkannte Fachpublikationen, peer-reviewte Artikel und Veröffentlichungen etablierter Verlage berücksichtigt werden. Die Aktualität spielt dabei eine ebenso große Rolle wie die Relevanz für die eigene Fragestellung.

Wenn Sie Fragen zur Verwendung und Verarbeitung der verschiedenen Literaturformen in Ihrer Arbeit haben, helfen wir Ihnen gern weiter.