Wie erstelle ich eine gute Gliederung für meine wissenschaftliche Arbeit?

Das Erstellen einer Gliederung für die geplante Abschlussarbeit kann eine große Herausforderung sein. Mit etwas Hilfe und einigen Hinweisen ist es jedoch gar nicht so schwer. Jede Arbeit folgt nämlich dem klassischen Schema:

  • Einleitung
  • Hauptteil
  • Schluss.

Dieses Schema bleibt immer erhalten und gilt für einen dreiseitigen Essay ebenso wie für eine 200-seitige Doktorarbeit. Das Kunststück besteht darin, dieses Schema mit Leben zu füllen und konkret zu machen. Die Gliederung sollte den roten Faden aufzeigen, dem die Arbeit folgt.

Wie dies gelingen kann, wird hier anhand der einzelnen Abschnitte dargestellt:

Abstract/Zusammenfassung/Management Summary

Viele potenzielle Leserinnen und Leser der Arbeit werden sich fragen, ob die Lektüre von 40, 60 oder 80 Seiten sich überhaupt für sie lohnt. Um diese Entscheidung zu erleichtern, wird der Arbeit eine kurze Zusammenfassung vorangestellt, oft als „Abstract“ oder „Management Summary“ bezeichnet. Darin wird kurz und prägnant beschrieben, worin es in der Arbeit geht, mit welcher Methode das Thema untersucht wurde und worin das Ergebnis besteht.

Einleitung schreiben

Die Einleitung gibt einen ersten Überblick über das Thema. Worum geht es überhaupt? Warum ist das behandelte Thema wichtig – worin besteht seine wissenschaftliche Relevanz? Welche Methoden kommen zur Anwendung (wird nur die Fachliteratur gesichtet, oder findet eine eigene empirische Untersuchung in Form einer Umfrage oder Interviews statt)? Wie ist die Arbeit aufgebaut?

Der Einleitungsteil kann noch untergliedert werden, indem die Problemstellung, die leitende Forschungsfrage, die Zielsetzung sowie das methodische Vorgehen und der Aufbau der Arbeit in kurzen Unterkapiteln beschrieben werden.

Hauptteil

Der Hauptteil nimmt den größten Umfang der Arbeit ein. Bei empirischen Arbeiten besteht dieser aus zwei großen Unterteilen: Einer Darstellung der theoretischen Hintergründe des Themas sowie einem weiteren Teil, der die empirische Untersuchung und deren Ergebnisse schildert: Wie stark dieser Teil in Unterkapitel ausdifferenziert wird, hängt vom Umfang der Arbeit ab. Prinzipiell gilt: Je größer der Umfang, desto differenzierter der Inhalt.

Der Theorieteil sollte Grundlagen zum Thema beschreiben, die wichtigsten Begriffe definieren sowie darlegen, warum bestimmte Aspekte beschrieben werden. Jedes Unterkapitel sollte an der Überlegung ausgerichtet sein: Ist es zielführend für die Beantwortung meiner Forschungsfrage? Muss ich Aspekt xy wirklich ausführlich beschreiben, oder kann bestimmtes Wissen als bekannt vorausgesetzt werden? Die Arbeit richtet sich in der Regel an Leserinnen und Leser mit gewissen Vorkenntnissen. Es ist daher nicht nötig, allgemein Bekanntes unnötig deskriptiv auszubreiten. Es sollte aber auch klar dargelegt werden, welche Tatsachen und Faktoren von Bedeutung sind, um das Thema angemessen bearbeiten zu können.

Der empirische Teil beginnt mit einer Beschreibung der Stichprobe. Warum wurden Experteninterviews geführt? Oder: Warum fiel die Entscheidung für eine Online-Umfrage? Die Beschreibung der Stichprobe erhält dann zum Beispiel die Information, dass 300 Studierende der Universität x in einem Zeitraum von zwei Monaten mit Hilfe eines Online-Tools wie SurveyMonkey befragt wurden. 

Die generierten Ergebnisse aus der eigenen empirischen Untersuchung werden anschließend kritisch reflektiert. Dieser Gliederungspunkt wird häufig als „Kritische Diskussion“ oder „Kritische Würdigung“ bezeichnet. In diesem Kapitel wird begründet, wie die Ergebnisse im Gesamtzusammenhang des behandelten Themas einzuordnen sind.

Schluss

Der Schlussteil kann eine Zusammenfassung der vorherigen Arbeit enthalten. Dies ist aber nicht zwingend notwendig und sollte mit den zuständigen Ansprechpartnern geklärt werden. Eine 10-seitige Arbeit kommt ohne eine solche Zusammenfassung aus. Bei einer Masterarbeit im Umfang von 80 Seiten kann es dagegen hilfreich sein, auf einer Seite nochmal eine kurze Zusammenfassung des vorangegangenen Textes zu lesen.

Dann folgt die Beantwortung der eingangs vorgestellten leitenden Forschungsfrage.

Eine gute Arbeit enthält im Schlussteil immer auch einen kurzen Ausblick auf mögliche Entwicklungen oder weiteren Forschungsbedarf. Es liegt in der Natur der Wissenschaft, dass die erzielten Ergebnisse niemals eine abschließende Antwort auf alle Fragen geben können. Hier kann zum Beispiel aufgezeigt werden, welche Aspekte des untersuchten Themas noch weiter erforscht werden müssten.

Nach dem letzten Kapitel folgt dann eine Auflistung aller (!!!) im Text zitierten Quellen, ob dies nun Monografien, Fachartikel auf Journalen oder Internetquellen sind. Die Ergebnisse der eigenen empirischen Untersuchung können in einem Anhang dokumentiert werden.

Fazit: Eine gute Gliederung ist wie ein Fahrplan durch die Arbeit und zeigt potenziellen Leserinnen und Lesern auf den ersten Blick, welches Thema behandelt wurde, in welcher Tiefe dies dargestellt wird und – bei empirischen Arbeiten – mit welchen Methoden die Erkenntnisse generiert wurden.