Forschungsmethode Fallstudien (Case Studies)

Fallstudien sind eine der beliebtesten (qualitativen) Forschungsmethoden. Wissenschaftliche Artikel, die Theorien aus Fallstudien entwickeln, gehören zu den am häufigsten zitierten Werken in Fachzeitschriften. Allerdings besteht in der Literatur ein gewisser Dissens hinsichtlich der Eignung von Fallstudien als Methode in der akademischen und vor allem in der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung.

In diesem Beitrag geht es daher darum, einen Überblick über die Forschungsmethode Fallstudie (Case Study) und deren Nutzen und  Einsatzgebiete bereitzustellen. Insbesondere soll die Frage beantwortet werden, inwieweit Fallstudien für eine Bachelorarbeit oder Masterarbeit geeignet sein können.

1. Die Wahl der geeigneten Methodik

Die Wahl einer geeigneten Forschungsmethode stellt einen wesentlichen Bestandteil der Planung und Durchführung einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit dar. Sie beeinflusst maßgeblich, wie eine Forschungsfrage untersucht, welche Daten erhoben und auf welche Weise die Ergebnisse ausgewertet werden.

Eine mögliche Methode ist die Fallstudie, die insbesondere dann eingesetzt wird, wenn ein bestimmtes Phänomen, ein Prozess oder eine Organisation in ihrem realen Kontext detailliert untersucht werden soll. Fallstudien ermöglichen es, komplexe Sachverhalte ganzheitlich zu betrachten und Zusammenhänge zu analysieren, die sich mit standardisierten Erhebungsmethoden möglicherweise nur eingeschränkt erfassen lassen.

Der Einsatz von Fallstudien bietet sich in unterschiedlichen wissenschaftlichen Fachbereichen an, beispielsweise in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, der Pädagogik, der Psychologie oder den Ingenieurwissenschaften. Dabei kann sowohl ein einzelner Fall als auch eine Auswahl mehrerer Fälle untersucht werden. Ziel ist es, ein vertieftes Verständnis des jeweiligen Untersuchungsgegenstands zu entwickeln und auf dieser Grundlage wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse zu gewinnen. Die Eignung der Methode hängt insbesondere von der Forschungsfrage, dem Untersuchungsziel und den verfügbaren Materialien oder Zugängen ab.

Ein Fall (Case) ist ein zeitgenössisches Phänomen wie z.B. das Entscheidungsverhalten einer Person bzw. eines Unternehmers (Entrepreneurs) oder aber der Internationalisierungsprozess eines Unternehmen, im Rahmen gegebener (angenommener) Bedingungen. Oftmals ist dabei der Zusammenhang zwischen Case und Kontext nicht klar bzw. nicht alle Informationen sind von Beginn an zugänglich.

Aus diesem Grund ist die Epistemologie, d.h. die Frage nach den Voraussetzungen für eine Erkenntnis, ein wichtiger Aspekt. Die Fallstudienforschung basiert auf einer positivistischen Epistemologie. Das bedeutet, die daraus gewonnenen Erkenntnisse und Ergebnisse müssen wahrnehmbar und überprüfbar sein.

2. Einsatz von Fallstudien

Fallstudien haben eine lange sozialwissenschaftliche Tradition und vielfältige Anwendungsgebiete, insbesondere im Bereich der Managementlehre und der Medizin.

In der Lehre dienen sie der Wissensvermittlung sowie der Herangehensweise an komplexe Problemstellungen, die oft der Wirtschaftspraxis entnommen werden. Diese Form der Wissensvermittlung geht auf die Harvard Business School zurück. Sie wird daher auch als die „Harvard Methode“ bezeichnet, die besonders in der Betriebswirtschaftslehre Anwendung findet. Fast alle MBA-Programme verwenden Case Studies, um bestimmte betriebswirtschaftschaftliche bzw. managementbezogene Problemstellungen zu veranschaulichen, zu analysieren und Lösungen zu erarbeiten.

Aber auch in der Medizin finden Fallstudien Verwendung, wo einheitliche Verfahrensstandards für spezifische Diagnosebilder zu erarbeiten sind.

Eine Fallstudie ist eine empirische Forschungsmethode, bei der ein klar abgegrenzter Untersuchungsgegenstand innerhalb seines tatsächlichen Anwendungskontextes detailliert analysiert wird. Als Fall können beispielsweise ein Unternehmen, eine Abteilung, ein Projekt, eine Person, eine Institution oder ein bestimmter Veränderungsprozess dienen. Entscheidend ist, dass der Untersuchungsgegenstand möglichst umfassend betrachtet wird, um seine spezifischen Merkmale und die relevanten Einflussfaktoren nachvollziehen zu können.

Ein wesentliches Kennzeichen der Fallstudienmethode ist die Berücksichtigung des Kontextes. Während andere Forschungsansätze häufig einzelne Variablen isoliert betrachten, ermöglicht eine Fallstudie die Untersuchung komplexer Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Faktoren. Dadurch können beispielsweise organisatorische Strukturen, individuelle Handlungen, wirtschaftliche Rahmenbedingungen und soziale Beziehungen ganzheitlich analysiert werden.

Darüber hinaus zeichnet sich die Methode durch ihre Flexibilität hinsichtlich der Datenerhebung aus. Es können qualitative und quantitative Daten verwendet werden. Zu den häufig eingesetzten Erhebungsinstrumenten gehören leitfadengestützte Interviews, Beobachtungen, Dokumentenanalysen, Fragebögen und bereits vorhandene Datensätze. Die Kombination unterschiedlicher Datenquellen wird als Triangulation bezeichnet. Sie kann dazu beitragen, Untersuchungsergebnisse aus verschiedenen Perspektiven zu überprüfen und die Nachvollziehbarkeit der Schlussfolgerungen zu verbessern.

Fallstudien können aber auch der Theoriebildung dienen. In dieser Hinsicht stellt jede Case Study ein einzigartiges Experiment dar. Mehrere Cases dienen, ähnlich einer Reihe von Experimenten unter laborartigen Bedingungen, der Entwicklung einer belastbaren, reproduzierbaren oder erweiterbaren Theorie. Im Gegensatz zu einem Laborexperiment, das das Phänomen vom Kontext trennt, untersucht die Case Study die Beziehungen zwischen Phänomen und real gegebenem Kontext.

Theoriebildung mittels Fallstudien bezieht also in einer iterativen Vorgehensweise reale Daten, bestehende Theorien und somit vorhandene wissenschaftliche Erkenntnisse explizit mit ein. Hier werden Annahmen z.B. über das Verhalten von Wirtschaftssubjekten oder Aggregaten getroffen und in mathematischen Modellgleichungen formuliert. Auf analytischem Wege lassen sich daraus Erkenntnisse ableiten. Dabei geht es nicht darum, die Theorie auch zu testen. Dafür werden in der Regel quantitative Methoden herangezogen. Rein induktive Methoden kommen beim Data Mining bzw Big Data zum Einsatz. Hier wird mittels aufwendiger statistischer Verfahren nach Mustern in Datenbanken oder Data Warehouses gesucht, um zu einem Erkenntnisfortschritt zu gelangen.

4. Wann ist der Einsatz von Fallstudien angebracht?

Die Wahl der Forschungsmethode hängt wesentlich von den aufgestellten Forschungsfragen ab. Fallstudien eignen sich beispielsweise zur Untersuchung von Forschungsfragen deren Intention es ist, etwas zu explorieren, etwas zu beschreiben oder das „Wie“ und „Warum“ eines Phänomens zu erklären. Dies betrifft beispielsweise ein Unternehmen, einen Entrepreneur oder eine Gruppe von Subjekten („wer“), deren Verhalten unter möglichst realen Bedingungen analysiert werden soll.

Ein wesentlicher Vorteil der Fallstudie liegt, wie bereits erwähnt, in der Möglichkeit, komplexe Sachverhalte detailliert und differenziert zu untersuchen. Gerade bei Fragestellungen, die sich auf konkrete Abläufe, Entscheidungsprozesse oder organisatorische Veränderungen beziehen, kann eine umfassende Betrachtung des Einzelfalls wertvolle Erkenntnisse liefern. Die Methode eignet sich insbesondere für explorative Forschungsfragen, bei denen ein Themengebiet zunächst erschlossen oder ein bislang wenig untersuchtes Phänomen besser verstanden werden soll.

Ein weiterer Vorteil besteht in der Möglichkeit, unterschiedliche Perspektiven zu berücksichtigen. Durch die Einbeziehung verschiedener Datenquellen können beispielsweise die Sichtweisen von Mitarbeitenden, Führungskräften und weiteren Beteiligten miteinander verglichen werden. Dadurch lassen sich widersprüchliche Einschätzungen erkennen und mögliche Ursachen für bestimmte Entwicklungen identifizieren.

Zudem ermöglicht die Fallstudienmethode eine hohe Praxisnähe. Da die Untersuchung in einem realen Kontext stattfindet, können die gewonnenen Erkenntnisse unmittelbar mit praktischen Herausforderungen verknüpft werden. Dies ist insbesondere bei anwendungsorientierten Abschlussarbeiten von Bedeutung, deren Ziel darin besteht, konkrete Handlungsempfehlungen für Unternehmen, Institutionen oder andere Organisationen abzuleiten.

Darüber hinaus kann eine Fallstudie als Grundlage für die Entwicklung neuer Hypothesen oder theoretischer Erklärungsansätze dienen. Hierbei können qualitative Methoden eingesetzt werden, um mögliche Annahmen bzw. Antworten zu formulieren (in Form von Hypothesen / Thesen) und quantitative Methoden, um diese zu verifizieren oder zu falsifizieren.

Die detaillierte Analyse eines Falls kann Zusammenhänge sichtbar machen, die in bisherigen Untersuchungen wenig berücksichtigt wurden. Bei einer Mehrfallstudie lassen sich außerdem Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den untersuchten Fällen systematisch herausarbeiten.

5. Grenzen der Fallstudienmethode

Wer die beschriebenen Vorteile der Fallstudienmethode nutzen will, sollte sich auch ihrer Grenzen und der mit ihr verbundenen Herausforderungen bewusst sein.

Eine zentrale Einschränkung betrifft die Übertragbarkeit der Ergebnisse. Da häufig nur ein einzelner Fall oder eine begrenzte Anzahl von Fällen untersucht wird, können die Erkenntnisse nicht ohne Weiteres auf eine größere Grundgesamtheit übertragen werden. Die Ergebnisse sind daher stets im Zusammenhang mit dem jeweiligen Untersuchungskontext zu interpretieren.

Allerdings bedeutet eine begrenzte Generalisierbarkeit nicht, dass Fallstudien keine übergreifenden Erkenntnisse liefern können. Insbesondere durch den systematischen Vergleich mit bestehenden Theorien oder durch die Untersuchung mehrerer Fälle können theoretische Zusammenhänge herausgearbeitet werden. Die Übertragbarkeit muss dabei wissenschaftlich begründet werden und darf nicht allein aus der detaillierten Beschreibung eines Falls abgeleitet werden.

Eine weitere Herausforderung besteht in der möglichen Subjektivität der Datenerhebung und -auswertung. Besonders bei qualitativen Interviews und Beobachtungen können die Erwartungen und Vorannahmen der Forschenden die Interpretation der Ergebnisse beeinflussen. Um dieses Risiko zu reduzieren, sollten die methodischen Entscheidungen transparent dokumentiert, die Auswertung systematisch durchgeführt und die Schlussfolgerungen anhand des erhobenen Materials begründet werden.

Auch der zeitliche Aufwand darf nicht unterschätzt werden. Die Vorbereitung des Forschungsdesigns, der Zugang zum Untersuchungsfeld, die Durchführung von Interviews, die Aufbereitung der Daten und deren Auswertung können erhebliche Ressourcen beanspruchen. Bei einer Abschlussarbeit ist deshalb eine realistische Eingrenzung des Untersuchungsgegenstands besonders wichtig. Zudem können Datenschutz, Vertraulichkeit und die Einholung von Einwilligungen zusätzliche Anforderungen mit sich bringen, insbesondere wenn personenbezogene Daten erhoben werden.

6. Welchen Beitrag zum Erkenntnisgewinn können Fallstudien liefern?

Entscheidungsträger benötigen ein Verständnis dafür, welche Auswirkungen ihre Entscheidung auf die entsprechenden Subjekte, die realen Gegebenheiten oder auf eine konkrete Situation hat. Sie brauchen Klarheit darüber, welche Beziehung zwischen den abhängigen und unabhängigen Variablen und den dahinter liegenden Begründungen ist (wie und warum passiert etwas wo durch wen). Durch die offene und methodisch flexible Herangehensweise kann die Fallstudienforschung Erkenntnisse in Theorie und Praxis generieren.

Fallstudienforschung muss einem striktem Procedere und den wissenschaftlich üblichen strengen Gütekriterien genügen. Eine qualitativ hochwertige Fallstudie hat – wie jede andere Untersuchungsmethode auch – daher strengen Anforderungen an Objektivität, Validität, Reliabilität und Utilitarität zu entsprechen.

Die Überprüfung dieser Kriterien sollte nicht erst im Nachhinein erfolgen, sondern bereits bei der Auswahl und dem Design der Fallstudie berücksichtigt werden. Während es bei der Validität um die Frage geht, ob tatsächlich diejenigen Merkmale ermittelt wurden, welche auch erfasst werden sollten, bezieht sich die Reliabilität auf die Exaktheit der Messungen und des definierten Vorgehens. Besonders wichtig ist die Konsistenzprüfung, welche darlegt, dass eine Replikation des Vorgehens zum gleichen Ergebnis führen würde.

Yin (2009) unterteilt die Validität zusätzlich in drei Unterkategorien: Konstruktvalidität, Interne Validität sowie Externe Validität.

Konstruktvalidität: Darunter versteht man die richtige Auswahl der Untersuchungsinstrumente. Dies ist bei der Fallstudienforschung deshalb wichtig, da der Untersuchende dazu neigen könnte, bei der Datensammlung allzu subjektiv vorzugehen, obwohl für die Fragestellung die Benutzung korrekter (objektiver) operativer Messungen immanent wichtig ist. Aus diesem Grund sollte man Daten und Informationen aus möglichst vielen unterschiedlichen Quellen recherchieren, um die Konstruktvalidität sicherzustellen.

Interne Validität: Sie stellt das wichtigste Gütekriterium bei qualitativen und quantitativen Untersuchungen dar und bezieht sich auf die Gültigkeit der aufgestellten Kausalzusammenhänge, ihre intersubjektive Überprüfbarkeit und die Zuverlässigkeit. Damit wird gewährleistet, dass die Untersuchungsbedingungen auch zu den gewonnenen Ergebnissen führen. Deshalb sollten bei der Datenanalyse kausale Beziehungen zwischen den einzelnen Variablen hergestellt und zudem eine saubere Argumentationskette erarbeitet werden.

Externe Validität: Wenn die Ergebnisse auch außerhalb des Fallkontextes verallgemeinerbar oder übertragbar sind, kann von einer externen Validität gesprochen werden. Eine solche Generalisierbarkeit bezieht sich auf theoretische Ableitungen bzw. eine analytische Generalisierbarkeit. Gerade im Fall von multiplen Fallbeispielen kann dies umso besser überprüft werden, je mehr Personen, Fälle oder Situationen Gegenstand der Untersuchung sind (Replication Logic).

Reliabilität: Darunter versteht man die Exaktheit des Vorgehens sowie der Messung im Rahmen einer Konsistenzprüfung, die optimalerweise den Nachweis erbringt, dass eine Wiederholung der Untersuchung zu denselben Ergebnissen führen würde. Ein wichtiges Instrument hierfür ist eine Dokumentation in Form eines Protokolls, welches einen Überblick über das Gesamtprojekt, den Untersuchungsablauf, die Forschungsfragen sowie über die Richtlinien des Fallreports liefert. Dazu gehört auch die erforderliche Archivierung von Primär- und Sekundärdaten in einer Datenbank.

Je stärker eine Fallstudie diesen wissenschaftlichen Gütekriterien entspricht, desto höher kann deren Qualität eingeordnet werden. Bei qualitativen Fallstudien sind insbesondere die Glaubwürdigkeit der Interpretationen, die Reflexion der eigenen Rolle und die sorgfältige Begründung der Schlussfolgerungen relevant. Die Verwendung mehrerer Datenquellen kann die Aussagekraft der Untersuchung erhöhen, sofern die Quellen sinnvoll miteinander verglichen werden. Widersprüchliche Befunde sollten nicht ausgeblendet, sondern kritisch untersucht werden.

7. Durchführung einer Fallstudie im Rahmen einer Abschlussarbeit

Die Durchführung einer Fallstudie erfolgt üblicherweise in mehreren aufeinander aufbauenden Schritten.

a) Ausgangspunkt ist die Formulierung einer präzisen Forschungsfrage. Diese sollte klar erkennen lassen, welches Phänomen untersucht werden soll und welchen Erkenntnisgewinn die Untersuchung anstrebt. Beispielsweise könnte untersucht werden, wie die Einführung einer neuen Software die Arbeitsabläufe in einem mittelständischen Unternehmen beeinflusst.

b) Im nächsten Schritt wird der Fall ausgewählt und abgegrenzt. Dabei ist zu begründen, weshalb gerade dieser Untersuchungsgegenstand für die Beantwortung der Forschungsfrage geeignet ist. Die Auswahl kann beispielsweise aufgrund seiner besonderen Eigenschaften, seiner praktischen Relevanz oder seiner Eignung zur Untersuchung eines bestimmten theoretischen Zusammenhangs erfolgen. Gleichzeitig müssen räumliche, zeitliche und inhaltliche Grenzen festgelegt werden, damit der Umfang der Untersuchung im Rahmen einer Abschlussarbeit realisierbar bleibt.

c) Anschließend erfolgt die Planung der Datenerhebung. Dabei wird entschieden, welche Informationsquellen verwendet und welche Erhebungsmethoden eingesetzt werden. Bei einer qualitativen Fallstudie können beispielsweise Interviews mit relevanten Beteiligten durch eine Analyse interner Dokumente ergänzt werden. Ein Interviewleitfaden unterstützt eine strukturierte Datenerhebung, während die Dokumentenanalyse zusätzliche Informationen über formale Prozesse und Rahmenbedingungen liefern kann.

d) Nach der Datenerhebung werden die Informationen systematisch ausgewertet. Bei qualitativen Daten kann beispielsweise eine qualitative Inhaltsanalyse eingesetzt werden, um wiederkehrende Themen, Kategorien und Zusammenhänge zu identifizieren. Quantitative Daten können mithilfe geeigneter statistischer Verfahren ausgewertet werden. Die Wahl des Auswertungsverfahrens muss zur Forschungsfrage und zum erhobenen Datenmaterial passen.

e) Abschließend werden die Ergebnisse dargestellt, interpretiert und mit dem theoretischen Bezugsrahmen der Arbeit verknüpft. Dabei ist zwischen der Beschreibung empirischer Beobachtungen und deren wissenschaftlicher Interpretation zu unterscheiden. Außerdem sollten die Grenzen der Untersuchung offengelegt und mögliche alternative Erklärungen berücksichtigt werden.

Die Fallstudie gilt durchaus als empirische Methode, die im Rahmen einer Abschlussarbeit verwendet werden kann. Sie dient dazu, ein bestimmtes Problem, das in der Arbeit behandelt wird, aus verschiedenen Blickwinkel zu betrachten. Dabei wird ein Einzelfall mittels definierter Leitfragen im Hinblick auf das „Wie“ und „Warum“ bestimmter Ereignisse und Entwicklungen untersucht. Es muss also klar sein, unter welchen fachlichen Aspekten die Case Study analysiert wird und woher die Daten für den Fall kommen. Die Daten können öffentlich zugänglich sein (z.B. Presse, Jahresberichte o.ä.), es kann sich aber auch um interne Daten handeln, die der Studierende ggfs.auf Anforderung anonymisieren muss. 

8. Schlussfolgerung

Insgesamt betrachtet sind Fallstudien eine verhältnismäßig aufwendige Forschungsmethode, insbesondere im Vergleich zu quantitativen Methoden. Sie sind zeit- und personalintensiv und stellen besondere und interdisziplinäre Anforderungen an den Forschenden. Zwar muss sich die Fallstudienforschung von Vertretern vermeintlich objektiver Methoden immer wieder den Vorwurf einer allzu großen Subjektivität gefallen lassen, doch sind letztlich auch quantitative Methoden nicht vollständig dagegen gefeit. In jedem Fall können qualitative Forschungsmethoden wie die hier behandelte Fallstudienforschung als das betrachtet werden, was sie tatsächlich sind: eine sinnvolle Ergänzung und Gegenstück zu (ökonomischen) Modellen und zu quantitativer Forschung. Fallstudien weisen Vorteile auf, an denen es anderen Methoden mangelt. Sie sind daher nicht zwangsläufig Vorarbeiten oder vorangehende Pretests für quantitative Forschungsdesigns, vielmehr können quantitative Erhebungen umgekehrt Pretest für eine oder Bestandteil einer Fallstudie sein.

Fallstudien erlauben komplexe Zusammenhänge in ihrem Gesamtkontext wahrzunehmen. Sie können daher als Forschungsmethode ein transparentes, redliches und rigoroses Forschungsinstrument darstellen und wertvolle Forschungsbeiträge liefern.

Eher in Ausnahmefällen kommen sie in Abschlussarbeiten wie einer Bachelorarbeit oder Masterarbeit zum Einsatz, können dann aber umso aufschlussreichere Erkenntnisse liefern. Zwar werden in solchen Abschlussarbeiten einzelne Fallbeispiele gerne als Fallstudien bezeichnet, sind es im engeren Sinne aber nicht bzw. erfüllen nicht die o.a. Voraussetzungen und Merkmale.

Wenn Sie Fragen dazu haben, wenden Sie sich gerne an uns!

Literatur

Göthlich, S. E. (2003): Fallstudien als Forschungsmethode: Plädoyer für einen Methodenpluralismus in der deutschen betriebswirtschaftlichen Forschung, Manuskripte aus den Instituten für Betriebswirtschaftslehre der Universität Kiel, No. 578, Universität Kiel, Institut für Betriebswirtschaftslehre

YIN, R. K. (2009): Case study Research. 5. Auflage. Sage Publications

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Unterschied zwischen empirischer und literaturbasierter Abschlussarbeit 

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